Gebrauchs­muster und „any hardware“

Ein Widerspruch (in Arbeit)

Atilla Pramhas <a@pamt.at>
Wien, 24.01.2021Quelle: any-hardware.pamt.at
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Am 31.08.2020 ging der ös­ter­rei­chi­sche Obers­te Ge­richts­hof von der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung ab und be­für­wor­te­te die Ver­wen­dung des „any hard­ware“-An­sat­zes bei Ge­brauchs­mus­tern. Der „any hard­ware“-An­satz be­deu­tet die Auf­spal­tung der Tech­ni­zi­täts­prü­fung in ei­nen Teil, der so­fort bei An­mel­dung durch­ge­führt wird, und ei­nen, der erst bei der Über­prü­fung des er­fin­de­ri­schen Schritts statt­fin­det. Eine sol­che Auf­tei­lung wi­der­spricht dem Ge­brauchs­mus­ter­ge­setz. Die Tech­ni­zi­täts­prü­fung muss als Teil der Ge­setz­mä­ßig­keits­prü­fung vor der Ver­öf­fent­li­chung und Re­gis­trie­rung statt­fin­den. Im vor­lie­gen­den Ar­ti­kel wird die­ser in­ter­es­san­te Wi­der­spruch ana­ly­siert.

In­halts­ver­zeich­nis

Ein­lei­tung

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Be­to­nun­gen in Zi­ta­ten hin­zu­ge­fügtMit der Ent­schei­dung 4 Ob 119/20hDie Ent­schei­dung des Obers­ten Ge­richts­ho­fes: pamt.at/695z (Rechts­in­for­ma­ti­ons­sys­tem des Bun­des); Be­zieht sich auf die An­mel­dung GM 218/2013: pamt.at/d7ub (see­IP des Ös­­ter­­rei­chi­­schen Pa­­ten­t­am­­tes); Re­kurs beim Ober­lan­­des­ge­­richt Wien: 133R103/19y vom 31.08.2020 hat der ös­­ter­­rei­chi­­sche Ober­s­­te Ge­­richts­hof die bis­he­­ri­ge, lan­g­jäh­­ri­ge und von der Höchs­t­in­­stanz be­­stä­­ti­g­­te Art des Um­­gangs mit man­geln­­der Tech­­ni­zi­­tät von An­­mel­­dun­­gen, die Com­­pu­­ter­­pro­gram­­­me um­­­fas­­sen, ab­ge­­lehnt und sich für den „any har­d­­wa­re“-An­­satz aus­­ge­­s­pro­chen.

Gleich­zei­­tig äu­­ßer­­te sich der Ober­s­­te Ge­­richts­hof zum Be­griff des er­­fin­­de­­ri­­schen Schritts in sol­chen Fäl­­len:

Bei Er­stel­­lung des Re­cher­chen­be­­richts wird be­­son­­de­­res Au­gen­­merk dar­­auf zu le­gen sein, dass im Sinn der er­­wähn­­ten Rech­t­­spre­chung zum „COM­VIK-An­­satz“ jene Mer­k­­ma­­le der An­­sprü­che zum er­­fin­­de­­ri­­schen Schritt der An­­spruchs­ge­gen­­stän­­de nicht bei­­tra­gen kön­­nen, die zum tech­­ni­­schen Cha­rak­­ter der Er­­fin­­dung kei­­nen Bei­­trag leis­­ten.

Die­­se En­t­­­schei­­dung stellt ei­­nen Pa­ra­­di­g­­men­wech­­sel dar. Auf der We­b­­si­te der be­­tei­­li­g­­ten Kan­ze­­lei Sonn & Par­t­­ner liest sich das wie folgtpamt.at/83ri, er­mit­telt am 3. Jän­ner 2021:

KEY CASE: OGH LÄSST GE­BRAUCHS­MUS­TER AUF COM­PU­TER­IM­PLE­MEN­TIER­TE ER­FIN­DUN­GEN ZU

In ei­­ner bahn­­bre­chen­­den En­t­­­schei­­dung (4 Ob 119/20h) gab der ös­­ter­­rei­chi­­sche Ober­s­­te Ge­­richts­hof sei­­ne bis­he­­ri­ge Hal­­tung auf und über­­­nahm den „any har­d­­wa­re“-An­­satz des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­amts zur Be­ur­­tei­­lung der Tech­­ni­zi­­tät ei­­ner com­­pu­­ter­im­­ple­­men­­tier­­ten Er­­fin­­dung. Dies be­­deu­­tet, dass es vor­­her­­seh­ba­­rer und ge­­ne­­rell ein­­fa­cher ge­wor­­den ist, com­­pu­­ter-im­­ple­­men­­tier­­te Er­­fin­­dun­­gen mit ei­­nem ös­­ter­­rei­chi­­schen GM zu schüt­­zen.

Die An­­mel­­dung, die zu die­­ser En­t­­­schei­­dung ge­­führt hat, wur­­de von un­­­se­­rer Kan­z­­lei ein­ge­­reicht und in er­s­­ter In­­­stanz (Ös­­ter­­rei­chi­­sches Pa­­ten­t­­amt) und zwei­­ter In­­­stanz (OLG Wien) wei­­ter­­ver­­­folgt. Ge­­mein­­sam mit Alex­an­­der Kol­­ler von SSW ha­­ben wir den Fall er­­fol­g­­reich vor den ös­­ter­­rei­chi­­schen Ober­s­­ten Ge­­richts­hof ge­bracht.

11.11.2020

Um die Tra­g­wei­­te der En­t­­­schei­­dung dar­­zu­­­le­gen, wird sie mit der eben­­falls höchs­t­in­­stan­z­­li­chen En­t­­­schei­­dung OBGM 1/13, wel­che den frü­her gän­gi­gen An­­satz zum Aus­­­druck bringt, ver­­g­li­chen. Bei­­de En­t­­­schei­­dun­­gen be­­tre­f­­fen Ge­brauchs­­mus­­ter. Im Fol­gen­­den wird de­s­halb zu­­­nächst auf die Be­han­d­­lung von Ge­brauchs­­mus­­ter­an­­mel­­dun­­gen ein­ge­gan­gen.

Es sei auch dar­­auf hin­ge­wie­­sen, dass die­­se Aus­­gangs­­la­ge und die sach­­li­chen Grun­d­la­gen, zB die re­­le­van­­ten En­t­­­schei­­dun­­gen der Be­­schwer­­de­­kam­­mern des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­am­­tes, für bei­­de En­t­­­schei­­dun­­gen gleich sind.

Ge­brauchs­mus­ter

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§ 1 Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz gibt die Vor­­aus­­se­t­zu­n­­gen an, un­­­ter de­­nen eine Er­­fin­­dung als Ge­brauchs­­mus­­ter zu schüt­­zen sindpamt.at/gmg1:

Als Ge­brauchs­mus­ter wer­den auf An­trag Er­fin­dun­gen auf al­len Ge­bie­ten der Tech­nik ge­schützt, so­­fern sie neu sind (§ 3), auf ei­­nem er­­fin­­de­­ri­­schen Schritt be­­ru­hen und ge­wer­b­­lich an­wen­d­bar sind.

Die Vor­aus­set­zun­gen sind also (a) An­trag­stel­lungKein ex of­fi­cio Ge­brauchs­mus­ter­schutz, (b) Tech­­ni­zi­­tät, (c) Neu­heit, (d) er­­fin­­de­­ri­­scher Schritt und (e) ge­wer­b­­li­che An­wen­d­bar­keit. § 18 Abs 1 und 2 Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz ge­­ben an, wann die­­se Vor­­aus­­se­t­zu­n­­gen zu Prü­­fen sindpamt.at/gmg18:

1. Jede An­­mel­­dung ist vom Pa­­ten­t­­amt auf Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keit zu prü­­fen. Eine Prü­­fung auf Neu­heit, er­­fin­­de­­ri­­schen Schritt, ge­wer­b­­li­che An­wen­d­bar­keit so­wie dar­­auf, ob der An­­mel­­der An­­spruch auf Ge­brauchs­­mus­­ter­­schutz hat, er­­folgt im An­­mel­­de­­ver­­­fah­­ren je­doch nicht. Be­­ste­hen ge­gen die Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung und Re­gis­­trie­­rung des Ge­brauchs­­mus­­ters kei­­ne Be­­den­ken, ist ge­­mäß § 19 ein Re­cher­chen­be­­richt zu er­stel­­len.

2. Er­gibt die Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keits­­prü­­fung, dass ge­gen die Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung und Re­gis­­trie­­rung des Ge­brauchs­­mus­­ters Be­­den­ken be­­ste­hen, so ist der An­­mel­­der auf­­zu­­­for­­dern, sich bin­­nen ei­­ner zwei­­mo­­na­­ti­gen, aus rück­­sichts­wür­­di­gen Grün­­den ver­­län­ger­ba­­ren Frist zu äu­­ßern. Wird nach Ab­lauf der Frist die Un­­zu­­läs­­si­g­keit der Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung und Re­gis­­trie­­rung fes­t­ge­stellt, so ist die An­­mel­­dung zu­­­rück­zu­­wei­­sen.

Die Ta­­bel­­le 1, Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keits­­prü­­fung, zeigt die Zeit­­pun­k­­te, zu de­­nen die ein­zel­­nen Vor­­aus­­se­t­zu­n­­gen ge­­prüft wer­­den müs­­sen.

Vor­aus­set­zungZeit­punkt der Prü­fung
An­tragvor Ver­öff./Re­gis­tr.
Tech­ni­zi­tätvor Ver­öff./Re­gis­tr.
Neu­heitnach Ver­öff./Re­gis­tr., zB Nich­tig­keit
Erf. Schrittnach Ver­öff./Re­gis­tr., zB Nich­tig­keit
Ge­werbl. Anw.nach Ver­öff./Re­gis­tr., zB Nich­tig­keit

Ta­bel­le 1: Ge­setz­mä­ßig­keits­prü­fungNich­tig­keit: pamt.at/gmg28

Es ist so­­mit klar, dass kei­­ne Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung und Re­gis­­trie­­rung ohne vol­l­­­stän­­di­ge Tech­­ni­zi­­täts­prü­­fung stat­t­­fin­­den darf.

In­s­be­­son­­de­­re ist nach dem Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz eine Auf­­­tei­­lung der Tech­­ni­zi­­täts­prü­­fung in ei­­nen Teil, der vor, und ei­­nen Teil, der nach der Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung und Re­gis­­trie­­rung durch­­ge­­führt wird, nicht zu­­läs­­sig.

Vol­l­­­stän­­di­g­keithal­ber sei er­­wähnt, dass es un­­um­s­trit­­ten ist, dass die Tech­­ni­zi­­tät für ein Ge­brauchs­­mus­­ter im An­mel­de­ver­fah­ren zu prü­fen ist. Sie­he zB OBGM 1/13OPMS, OBGM 1/13, Ver­­­fah­­ren zum Lö­­sen ge­wöhn­­li­cher Dif­­fe­­ren­­ti­al­glei­chun­­gen, be­zieht sich auf BGM 1/2013, 11.12.2013, pamt.at/9u:

Auch die An­­tra­g­stel­­le­­rin be­strei­­tet nicht, dass be­­reits im An­­mel­­de­­ver­­­fah­­ren der Fra­ge nach der tech­­ni­­schen Na­­tur nach­­zu­­ge­hen ist (ver­­glei­che Go­e­­bel in Ben­­kard, Pa­t­G10 § 8 Ge­brMG Rz 5 mwN).

oder auch 4 ob 119/20hpamt.at/695z:

Das aus der Wen­­dung „auf al­­len Ge­­bie­­ten der Tech­­nik“ in § 1 Abs 1 GMG ab­­leit­ba­­re Tech­­ni­zi­­täts­er­­for­­der­­nis für ge­brauchs­­mus­­ter­­fä­hi­ge Er­­fin­­dun­­gen...

...

Wei­­ter ist ein Re­cher­chen­be­­richt erst bei Vor­­­lie­gen der Tech­­ni­zi­­tät zu er­stel­­len – für ei­­nen an­­de­­ren Zeit­­punkt fehlt die ge­­set­z­­li­che Grun­d­la­ge.

Die alte Si­tua­ti­on

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Der Ober­s­­te Pa­­tent- und Mar­ken­­se­­nat hat in sei­­ner let­z­­ten En­t­­­schei­­dung Ende 2013, be­­vor ihre Agen­­den mit 01.01.2014 vom Ober­s­­te Ge­­richts­hof über­­­nom­­men wur­­den, sich für die bis da­hin üb­­li­chen Vor­­gangs­­wei­­se en­t­­­schie­­den und wie folgt ar­gu­­men­­tiertOPMS, OBGM 1/13, Ver­­­fah­­ren zum Lö­­sen ge­wöhn­­li­cher Dif­­fe­­ren­­ti­al­glei­chun­­gen, be­zieht sich auf BGM 1/2013, 11.12.2013, pamt.at/9u:

Rech­t­­li­che Be­ur­­tei­­lung, Punkt 5.6. Die von der An­­tra­g­stel­­le­­rin für das Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keits­­prü­­fungs­­­ver­­­fah­­ren nach § 18 GMG ge­wün­sch­­te rein for­­ma­­le Be­­trach­­tung wür­­de den vom Ge­­set­z­ge­ber in § 1 Abs 3 GMG ge­­re­gel­­ten Aus­­­schluss be­­stim­m­­ter Ta­t­be­­stän­­de vom Ge­brauchs­­mus­­ter­­schutz kon­­ter­­ka­­rie­­ren. For­­mal kön­n­­te dann näm­­lich je­­des Ele­­ment der Aus­­­schlus­s­­lis­­te, also zB jede En­t­­­de­­ckung, jede ma­the­­ma­­ti­­sche Me­­tho­­de, jede äs­the­­ti­­sche For­m­­schöp­­fung, je­­des Com­­pu­­ter­­pro­gramm und jede Wie­­der­ga­­be von In­­­for­­ma­­ti­on mit tech­­ni­­schen Mer­k­­ma­­len pa­ra­­phra­­siert und da­­durch Ge­brauchs­­mus­­ter­­tau­g­­lich ge­­macht wer­­den. Wol­l­­te man bei­­spiel­s­wei­­se die äs­the­­ti­­sche For­m­­schöp­­fung ei­­ner Glas­fla­­sche (zB die be­­kan­n­­te Fla­­sche von Coca Cola) mit­­­tels Ge­brauchs­­mus­­ter be­an­­spru­chen, so wür­­de die For­­mu­­lie­­rung „in­­­dus­­tri­ell ge­­fer­­ti­g­­te Glas­fla­­sche, da­­durch ge­ken­n­zeich­­net dass sie mit­­­tels ei­­nes tech­­ni­­schen Ver­­­fah­­rens er­zeugt wird und fol­gen­­des Aus­­­se­hen hat…“ for­­mal ei­­nen An­­spruch ge­­ne­­rie­­ren, der tech­­ni­­sche und nicht­­tech­­ni­­sche Mer­k­­ma­­le en­t­­hält, wo­bei die tech­­ni­­schen Mer­k­­ma­­le of­­fen­­sich­t­­lich be­­kannt sind.

In die­­ser En­t­­­schei­­dung wur­­de die man­geln­­de Tech­­ni­zi­­tät der fol­gen­­den An­­sprü­che fes­t­ge­stellt:

10. Vor­rich­tung zum Lö­sen ge­wöhn­li­cher Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen...

11. Com­pu­ter zum Lö­sen ge­wöhn­li­cher Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen...

13. Com­pu­ter-Netz­werk zum Lö­sen ge­wöhn­li­cher Dif­fe­ren­ti­al­glei­chun­gen...

Was sich än­dert

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Was der „any har­d­­wa­re“-An­­satz ist und wie es zu sei­­ner En­t­­wick­­lung kam, wird hier nicht nä­her aus­­ge­­führt. De­­tails kön­­nen an­­de­­ren Pu­b­li­­ka­­ti­o­­nen en­t­­­nom­­men wer­­denChan­d­­ler, W. Pa­­ten­­tier­bar­keit com­­pu­­ter­im­­ple­­men­­tier­­ter Er­­fin­­dun­­gen (CII): Sach­la­ge und En­t­­wick­­lun­­gen. Zu­­­sat­z­­pu­b­li­­ka­­ti­on - Amts­­blatt EPA, 5/2015, Sei­­ten 73–79, pamt.at/hgne.

We­­sen­t­­lich ist, dass das Eu­­ro­­päi­­sche Pa­­ten­t­­über­­ein­­kom­­men und da­­mit das Eu­­ro­­päi­­sche Pa­­ten­t­­amt kei­­ne Ge­brauchs­­mus­­ter kennt. Das Eu­­ro­­päi­­sche Pa­­ten­t­­amt hat also bei der En­t­­wick­­lung des „any har­d­­wa­re“-An­­sa­t­­zes nicht be­­rück­­si­ch­­tigt, wie sich die­­ser An­­satz auf ein Schut­z­­recht, das vor und ohne Prü­­fung auf Neu­heit und Er­­fin­­dungs­­ei­gen­­schaft ver­­­öf­­f­en­t­­licht und re­gis­­triert wird, aus­­­wirkt. Chan­d­­ler hält in sei­­ner Ab­han­d­­lung zum „any har­d­­wa­re“-An­­satz fest:

Wenn das Ur­­teil über die Fein­hei­­ten des tech­­ni­­schen Cha­rak­­ters der Er­­fin­­dung auf den Schritt der Prü­­fung der er­­fin­­de­­ri­­schen Tä­­ti­g­keit ver­la­gert wird, hat dies den Vor­­­teil, dass kein ge­­son­­der­­ter K.O.-Test durch­­ge­­führt wer­­den muss, der po­­ten­zi­ell zur so­­for­­ti­gen Ver­­­nich­­tung ei­­nes An­­spruchs führt oder al­­ter­­na­­tiv eine lan­g­wie­­ri­ge zu­­­sät­z­­li­che Ana­­ly­­se er­­for­­dert. Stat­t­­des­­sen wird der aus­­ge­­schlos­­se­­ne Ge­gen­­stand Hand in Hand mit der For­­mu­­lie­­rung der tech­­ni­­schen Auf­­ga­­be be­ur­­teilt, de­­ren Lö­­sung dann im Hin­­blick auf die er­­fin­­de­­ri­­sche Tä­­ti­g­keit ge­­prüft wird.

Für ein ös­­ter­­rei­chi­­sches Ge­brauchs­­mus­­ter be­­deu­­tet die Ver­­­schie­bung der Tech­­ni­zi­­täts­prü­­fung zur Prü­­fung der er­­fin­­de­­ri­­schen Tä­­ti­g­keit hin, dass Tech­­ni­zi­­tät – no­t­wen­­dig für die Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keit – vor der Re­gis­­trie­­rung nur mehr un­­­vol­l­­stän­­dig ge­­prüft wird! Eine sol­che un­­­vol­l­­stän­­di­ge Prü­­fung ist nach dem Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz un­­zu­­läs­­sig.

In­­­ter­es­­sant ist auch, dass der Ober­s­­te Ge­­richts­hof es be­­vor­­zugt, eine Ar­gu­­men­­ta­­ti­on­s­ke­t­­te zu be­­nu­t­­zen, statt das ös­­ter­­rei­chi­­sche Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz di­­rekt an­zu­­wen­­den:

An­­de­­res gilt je­doch für die Tech­­ni­zi­­tät (vgl RIS-Jus­­tiz RS0130899; OBGM 1/13; Wei­­ser, PatG GMG3 734 f). Das aus der Wen­­dung „auf al­­len Ge­­bie­­ten der Tech­­nik“ in § 1 Abs 1 GMG ab­­leit­ba­­re Tech­­ni­zi­­täts­er­­for­­der­­nis für ge­brauchs­­mus­­ter­­fä­hi­ge Er­­fin­­dun­­gen deckt sich – auf­­grund der gleich­lau­­ten­­den For­­mu­­lie­­rung in § 1 Abs 1 PatG – mit je­­nem für pa­­ten­t­­fä­hi­ge Er­­fin­­dun­­gen. Aus die­­sem Grund kann zur Be­ur­­tei­­lung der Tech­­ni­zi­­tät von ge­brauchs­­mus­­ter­­fä­hi­gen Er­­fin­­dun­­gen die ein­­schlä­gi­ge pa­­ten­t­­rech­t­­li­che Ju­­di­­ka­­tur her­an­ge­zo­gen wer­­den. Zur Si­cher­stel­­lung ei­­ner har­­mo­­ni­­sier­­ten Aus­­­le­gung der ge­brauchs­­mus­­ter­­rech­t­­li­chen Schut­z­an­­for­­de­­run­­gen nach den na­­ti­o­­na­­len Rechts­­vor­­­schrif­­ten im Li­ch­­te des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­­über­­ein­­kom­­mens kann da­bei auch auf die Rech­t­­spre­chung des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­amts zu­­­rück­ge­grif­­fen wer­­den (4 Ob 228/18k).

Das heißt, statt das Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz di­­rekt an­zu­­wen­­den, macht man ei­­nen Schritt vom Ge­brauchs­­mus­­ter zum Pa­­tent und dann vom Pa­­tent zur Rech­t­­spre­chung des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­am­­tes, wo­bei auch noch der Schritt von den Rechts­­vor­­­schrif­­ten zur Rech­t­­spre­chung fehlt. Zum Let­z­­te­­ren ge­­n­au­er: Dass sich Ös­­ter­­reich an das Eu­­ro­­päi­­sche Pa­­ten­t­­über­­ein­­kom­­men hal­­ten muss, be­­deu­­tet nicht un­­­mit­­tel­bar, dass auch die Rech­t­­spre­chung des Eu­­ro­­päi­­schen Pa­­ten­t­am­­tes für Ös­­ter­­reich gilt!

Nach dem „any har­d­­wa­re“-An­­satz wür­­de nichts ge­gen die Re­gis­­trie­­rung und Ver­­­öf­­f­en­t­­li­chung der oben ge­­nan­n­­ten An­­sprü­che 10, 11 und 13 bzw. ei­­ner Ge­brauchs­­mus­­ter­an­­mel­­dung, de­­ren Schut­z­be­geh­­ren aus die­­sen An­­sprü­chen be­­steht, spre­chen.

Der Rest die­­ses Do­ku­­ments geht auf die Fol­gen der En­t­­­schei­­dung 4 Ob 119/20h des Ober­s­­ten Ge­­richts­ho­­fes ein.

Die Fol­gen

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Ge­brauchs­­mus­­ter­an­­mel­­dun­­gen, in de­­nen Schutz für Com­­pu­­ter be­gehrt wird, sind nun­­­mehr zu re­gis­­trie­­ren. Der Ge­gen­­stand der An­­mel­­dung muss da­bei nur noch die al­l­ge­­mei­­nen Ge­­set­z­­mä­­ßi­g­keits­­prü­­fun­­gen be­­ste­hen, zB hin­­rei­chend of­­fen­bart sein. Es ist nicht mehr von Be­lang, wo­­für der Com­­pu­­ter ein­ge­­rich­­tet, zB pro­­gram­­­miert ist. Das Schut­z­be­geh­­ren braucht, au­­ßer dem Com­­pu­­ter, nichts Tech­­ni­­sches zu um­­­fas­­sen. In­s­be­­son­­de­­re darf es aus­­­schlie­ß­­lich aus Mer­k­­ma­­len be­­ste­hen, die im Ge­brauchs­­mus­­ter­ge­­setz von ei­­nem Schutz ex­­pli­zit aus­­ge­­schlos­­sen sind – so­lan­ge auch ein Com­­pu­­ter ge­­nannt wird.

Gleich­zei­­tig hält der Ober­s­­te Ge­­richts­hof fest, dass „jene Mer­k­­ma­­le der An­­sprü­che zum er­­fin­­de­­ri­­schen Schritt der An­­spruchs­ge­gen­­stän­­de nicht bei­­tra­gen kön­­nen, die zum tech­­ni­­schen Cha­rak­­ter der Er­­fin­­dung kei­­nen Bei­­trag leis­­ten.“ Die­­se Fes­t­stel­­lung ist für die Ka­­te­go­­ri­­sie­­rung der im Re­cher­chen­be­­richt zi­­tier­­ten Do­ku­­men­­te wich­­tig.

In­s­ge­­s­amt hat die An­wen­­dung des „any har­d­­wa­re“-An­­sa­t­­zes auf Ge­brauchs­­mus­­ter zur Fol­ge, dass An­­mel­­dun­­gen der ge­­nan­n­­ten Art zu re­gis­­trie­­ren sind, wo­bei die en­t­­­spre­chen­­den Re­cher­chen­be­­rich­­te be­­reits dann Ka­­te­go­­rie X Ein­­trä­ge en­t­­hal­­ten, wenn vom en­t­­ge­gen­ge­hal­­te­­nen Do­ku­­ment nur Tei­­le des Schut­z­be­geh­­rens nahe ge­­legt wer­­den – näm­­lich jene Tei­­le, die zum tech­­ni­­schen Cha­rak­­ter bei­­tra­gen. Let­z­­te­­re kön­­nen le­­di­g­­lich aus ei­­nem Com­­pu­­ter be­­ste­hen. Sie brau­chen mit der ei­gen­t­­li­chen Idee der An­­mel­­dung, zB der ma­the­­ma­­ti­­schen Me­­tho­­de, in der die po­­ten­­ti­ell er­­fin­­de­­ri­­sche Idee steckt, nichts zu tun zu ha­­ben.

So ist eine Ge­brauchs­­mus­­ter­an­­mel­­dung, in der Schutz für ei­­nen Com­­pu­­ter be­gehrt wird, der zur Durch­­­füh­­rung ei­­nes neu­en Ver­­­fah­­rens zum In­­­te­grie­­ren von Fun­k­­ti­o­­nen ein­ge­­rich­­tet ist, zu re­gis­­trie­­ren. Ei­­nem vor dem Pri­o­­ri­­täts­­tag der An­­mel­­dung ver­­­öf­­f­en­t­­li­ch­­ten Do­ku­­ment, in dem ein Com­­pu­­ter of­­fen­bart wird, der zum Ver­­­wal­­ten von Bü­chern ein­ge­­rich­­tet ist, wür­­de in die­­sem Fall im Re­cher­chen­be­­richt die Ka­­te­go­­rie X zu­­ge­wie­­sen – die An­­mel­­dung und das Do­ku­­ment wei­­sen die glei­chen tech­­ni­­schen An­­tei­­le auf.

Re­cher­chen­be­­rich­­te von Ge­rauchs­­mus­­tern sind un­­­ter Be­­rück­­si­ch­­ti­gung der Fol­gen die­­ser neu­en Rech­t­­spre­chung zu in­­­ter­pre­­tie­­ren.

Schluss­wort

>>Z­um In­halts­ver­zeich­nis<<

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